Linksrum 1/2012

PERSON

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Ein Ästhet mit grünem Daumen

Thomas Humm will im Hintergrund dafür sorgen, dass junge Politiker nach Bern kommen

von Raya Badraun

So viel sei vorweggenommen: Der Präsident der Sektion Matzingen wird in der SP wohl keine Karriere mehr machen. Vor eineinhalb Jahren wurde Thomas Humm zu einem Genossen. Er hilft Walter Hugentobler im Wahlkampf, hängt Plakate an Gartenzäune und Strassenlaternen und ist bisher „nur“ eine Linie auf der Liste für die Grossratswahl im kommenden Frühling. „Will ich etwas in der Politik werden, dann müsste ich es bereits sein.“ Humm sagt es ohne Bedauern. Der selbständige Bildbearbeiter sitzt in einem St. Galler Café, vor sich eine heisse Ovi. Er ist keiner, den man anstossen muss, der aufgeschlossene Wahl-Thurgauer erzählt gerne. Selbst bezeichnet er sich als „nett, hilfsbereit und phantasievoll“. In der Sekundarschule, die er im Thurgau absolvierte, schrieb sein Lehrer einst unter einen Aufsatz: „Du hast zu viel Phantasie.“ Heute, mit 46 Jahren, lacht er darüber. „Geht das überhaupt?“

Der Auswärtige

Thomas Humm ist ein Zugezogener. Sein Vater, der früh tödlich verunfallte, war ein Bastler. Lange suchte er nach einem geeigneten Gebäude, bei dem er seine Leidenschaft ausleben konnte. Im Thurgau wurde er fündig. Das alte Riegelhaus war zu Beginn kaum bewohnbar und diente der dreiköpfigen Familie lediglich als Wochenend- und Feriendomizil. Die Sekundarschule absolvierte Humm im Thurgau. Er war stark in Nebenfächern wie Werken oder Zeichnen, durchschnittlich in den Hauptfächern. Später entschied sich der Sohn eines Gärtners für eine Lehre als Reprofotograf, ein Berufsstand, den es heute nicht mehr gibt. Kaum 17 Jahre alt, erbte der Lehrling das Riegelhaus im Thurgau. Lange war es wieder ein Wochenendhaus. Diesen Umstand fand er schade und zog darum mit 24 Jahren auf das Land. Zu Beginn pendelte er noch nach Zürich, später nach Winterthur. Dann machte er sich selbständig.

Der Ästhet

Seit 1982 wohnt er zwischen drei Gemeinden: Matzingen, Stettfurt und Wängi. Vom Garten aus kann er in den Kanton Zürich und nach St. Gallen schauen. „Meine Heimat ist das Gebiet, das ich mir dem Velo abfahren kann“, sagt der Freizeitsportler. Gerne zerrt er spontan das Fahrrad hervor. Nach Konstanz fährt er, nach Elgg und Weinfelden. „Ich bin kein Rennfahrer. Ich mag den Wettkampf nicht“, sagt Humm. Lieber schaut er sich die Natur an. Von Beruf her – er bearbeitet Bilder für Firmen – ist er ein Augen-Mensch. „Auch wenn man es mir nicht ansieht.“ Humm lacht und zupft an seinem weinroten Strickpullover herum. „Ich suche das Schöne.“
Das Arbeiten im Garten – seine Stressprophylaxe – verbindet ihn mit dem Vater. Dieser war einst Versuchsgärtner an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH. Durch seine Arbeit lernte er Doktoranden aus England und Amerika kennen und befreundete sich mit ihnen. Thomas kennt nun bei einigen auch die nächste Generation. Über die Jahre hinweg wurde es für ihn und seine Mutter zur Tradition, das Weihnachtskonzert in Cambridge zu besuchen. „Ein richtiger Familien-Virus“, sagt Humm. Auch dieses Jahr fährt er hin. Sonst liegen für ihn als Selbständigen nicht mehr viele Reisen drin. Einmal will er noch nach Indonesien fliegen. Einst pflanzte sein Grossvater in Sumatra für holländische Kolonialisten Gummi an. Das Curry, das seine Mutter manchmal kocht, erinnert an ihre Kindheit dort.

Der Politiker

In der Politik ist er relativ neu dabei. Sein Vater interessierte sich zwar dafür, aber anderes war eben wichtiger. Ein Kollege, mit dem er gerne diskutierte, motivierte ihn schliesslich. „Mach doch mit!“ Lange war er beruflich sehr eingespannt und wusste zudem nicht recht, wo mitmachen, ob bei grün oder rot. Heute weiss er: „Das eine ist ohne das andere gar nicht möglich.“ Humm will eine grüne, soziale Politik machen, die auf dem Boden bleibt, realisierbar ist. Extreme Haltungen schrecken ihn ab. „Es reizte mich, im Thurgau, wo die SVP so dominant ist, zu politisieren.“ Seit einem halben Jahr ist er nun Sektionspräsident in der SP Matzingen. Diese Aufgabe sei gut, um den Betrieb kennen zu lernen und seinen Platz in der Partei zu finden. Momentan sieht er sich im Hintergrund, als Steigbügelhalter für andere, jüngere Politiker. Er sei zu harmoniebedürftig, um zu diskutieren, findet er selbst. Er wolle zu einem Resultat kommen und nicht ständig um den heissen Brei herumreden. Er versucht einen Konsens zu finden, der allen passt. Dafür muss man eben auch nett sein.

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