Linksrum 3/2010

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Mostblock: Betrachtungen aus der linken Ecke


Leon, Emilie und Moritz
Text von Claudio Rosso

Liebe Genossinnen und Genossen

In Frauenfeld hat sich Moritz Leuenberger über die Burka-Aktivistin Nora Illi empört, sie als Ex-Punkerin ins Abseits gestellt und den Medien den Schwarzen Peter für die allgemeine Aufregung zugeschoben, weil diese der Burka-Diskussion eine zu breite Plattform einräumen würden. Keine Angst, ich werde mich nicht auch noch in die Burka-Diskussion einmischen, da haben zu viele Leute schon ihren Senf dazu abgegeben. Die Diskussion erinnert mich an den Frühsommer 1980. Vor dreissig Jahren hat sich aus dem Nichts eine Protestbewegung gebildet, anarchistisch, lustbetont und nicht gewillt, sich den Spielregeln des Staates zu unterwerfen. Wer einmal bei einer VV, einer Vollversammlung, der ‚Bewegung‘ im Zürcher Volkshaus mit dabei war, der konnte spüren, wie direkte Demokratie auch gehandhabt werden kann. Junge Leute gingen auf die Strasse, forderten Freiräume, Geld für die eigene Kultur, ein Autonomes Jugendzentrum AJZ, schockierten Eltern und Lehrkräfte mit Aktionen, wie sie in der Schweiz noch nicht gesehen wurden. Die wohlanständige Diskussion in der Telebühne des Schweizer Fernsehens wurde zu einem lustvollen Happening umfunktioniert, bis Moderator Andreas Blum, verdeckt durch ein Indianerposter, entnervt die Sendung abbrechen musste. Oder die legendäre Szene in der Tagesschau, als Leon Huber von Aktivisten unterbrochen wurde, die „Freedom and Sunshine vor Giorgio Bellini“ forderten. Was hat diese Nostalgie mit Moritz, mit Nora Illi und mit der Burka zu tun? An einer ebenfalls legendären Fernsehdiskussion legten sich ‚Herr und Frau Müller‘, beides Bewegungsmitglieder, mit Genossin Stadtmama Emilie Lieberherr an, die mit dem Anspruch, alles zu verstehen und alles zu regeln, Schiffbruch erlitten hatte. Sie wollte nicht erschüttert, nicht verunsichert werden durch Tendenzen, die sie nicht in ihr wohlmeinendes Weltbild einordnen konnte. Genau dies passiert uns heute wieder, ungläubig stehen wir vor einer zerrissenen Gesellschaft, die wir nicht mehr mit dem Deckmantel von Humanismus und Emanzipation verhüllen können. Vielleicht ist es in einer solchen Zeit angebracht, statt in Aktivismus zu verfallen, die Situation zu akzeptieren und auszuhalten. Das, lieber Moritz, wäre mehr als genug.

Limerick zur neuen Präsidentin

von Evi Schaad-Guhl, Präsidentin SP Diessenhofen

Der KERN der Sache ist sonnenklar:
Eine Frau an der Spitze ist wunderbar;
Politisch versiert,
Gescheit, interessiert.
Mit BARBARA ist die SP unschlagbar!

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